In Berlin gab es mal ein Lied über China. Auf Thailand umgerubbelt geht das so :
In dem Land der Thailanesen war ick noch nie jewesen
Erstens is et so weit weit weit
Zweetens hab ich keene Zeit Zeit Zeit.
Nun habe ich Zeit. Reichlich Zeit. Als Ruheständler, Rentner.
Wie ist das so, wenn man von Berlin in ein kleines Nest wie Panigio bei Wiang Pa Pao Nordthailand quasi bis ans Ende der Welt umzieht ?
Natürlich kannte ich Nordthailand bereits von vielen Besuchen , seit 2003 bin ich mit meiner Mon verheiratet, einer graduierten Lehrerin für Thai und Sport die ich 2001 in Bangkok kennen lernte . Die Besuche waren allerdings immer zur Winterzeit. Dann kam der Hausbau in 2007, da blieb ich mal von März bis in den Juli.
Mitte Juli 2008 flog ich dann nach der Wohnungsübergabe in Berlin und einem Jahresvisum mit der LTU ohne Rückflugticket nach Bangkok. Da ich reichlich Gepäck und Fahrrad dabei hatte, holte mich meine Frau schon in Bangkok ab. Für die Fahrt von Bangkok bis Wiang Pa Pao braucht man ca. 9 Stunden mit kleinem Päuschen.
Es war die heiße feuchte Zeit, die ich zwar kannte, doch hatte ich den Eindruck das der Regen, der jeden Tag scheinbar überraschend aber ständig wiederkehrend viel stärker war als früher. Ein Glück das wenigstens das Schlafzimmer klimatisiert war. Bereits in den ersten Tagen begann ich dann den Krabbentierchen und Mücken den Kampf anzusagen. Neue vergitterte Schiebetüren wurden am Haus installiert, sowie alle Wasserstellen für die Moskitos unzugänglich gemacht. Irgendwie hat sich das gelohnt, denn den Rest des Sommers blieben wir zumindest im Haus unbelästigt.
Ich kann leider nicht scharf essen. Das ist für Thailand natürlich nicht so ideal. Aber da ich schon immer Hobbykoch war kochte ich nun mit den hier vorhandenen Lebensmitteln. Dabei stellte ich allerlei Experimente an die manchmal glückten, aber auch manchmal ungenießbar waren. Auch mit Brot-backen hatte ich so meine Probleme, da der Sauerteig an besonders heißen Tagen nicht nach meiner Uhr gelingen wollte. Also was soll`s, so fuhren wir halt öfters ins 100 km entfernte Chiang Mai zum Einkaufen. Chiang Mai hat neben den großen Läden wie z. Bsp. Carrefour oder Tesko auch mehrere kleinere Geschäfte mit Europäer kost im Angebot. Auch sonstige Einkaufsmöglichkeiten sind durchaus mit europäischen Großstätten vergleichbar.
Beim Essen, na ja wie halt das so ist, pendelt man sich ein. Reichliches Frühstück nach 7 Uhr. Mittags so mal ne Kleinigkeit aus dem Topf, gegen 18 Uhr dann noch mal reichlich Abendbrot mit heimischen Dingen.
Thai zu sprechen ist sicher vorteilhaft, habe auch einen gewissen Grundwortschatz gelernt, doch bis ich mal auch auf Thai philosophieren kann vergeht noch reichlich Lernzeit. Mit Englisch kommt man im Prinzip gut klar, zumindest bei den hiesigen Behörden und Geschäften wie 7 Eleven oder auf unserer Tankstelle. Zuhause spreche ich mit Frau und Nichte oft Thaidenglisch. Wer glaubt das wäre kompliziert der irrt sich, denn in dieser geschliffenen und sehr verständlichen Art der Kommunikation wird von der Gestik reichlich Gebrauch gemacht. Auch die Mimik die sonst eher dem Haushund und der Katze zugute kommt leistet gute Dienste.
Bei Nachbarn und Dorfbewohnern gibt es auch keine Probleme. Neulich war ich mit meinem Freund Lin einem 70 jährigen Chinesen und meinem Nachbarn einen noch älteren Herrn der mal früher hier Bürgermeister war, zum ersten mal einen zwitschern. Lin, der vor 15 Jahren seine Frau verlassen hat und in Amerika war, ist ein Gourmet und Herr. Nach nur 2 Jahren USA kam er ziemlich abgebrannt zurück. Seit dem lebt er von seiner 30 Jahre jüngeren Frau, die Ihm nebst Kost und Logies auch ein gewisses Taschengeld gibt, aus Angst er würde wieder abhauen.
Lin ist ein Freund aller hiesigen Autoritäten. In seinem Stammlokal in Meakachan, direkt an der Straße Nr.118 aßen wir gekochten Fisch mit Reis und Fischbällchen in milder Soße. Anschließend fuhren wir in einen besseren Karaoke -schuppen unmittelbar in der Nähe. Die dort Beschäftigten kannten Lin sehr gut , hatten sie doch gleich die letzten unbezahlten Rechnungen der vergangenen Besuche in der Hand. Für Lin kein Problem. Er herrschte die Bedienung mit einer lästigen Handbewegung und ekliger Miene an sie möge sich doch lieber um die Gäste bzw. um mich den Farang kümmern. Denn schließlich wollen wir uns amüsieren. Mein Nachbar hatte bereits vorher vergeblich mit mir zu kommunizieren versucht, doch mehr als lächeln und zu prosten mit „chokdee“ und „sabei sabei“ ist nicht gelungen. Dabei schenkte er immer nach und schluckte so selber mehrere Flaschen Chang Bier. Daß das Chang 6,3° Drehungen hat, hatte später seine Wirkung. Da ich aber Lallen von Thai noch nicht so gut unterscheiden kann, merkte ich natürlich nichts . Im Gegenteil ich freute mich über die gelöste Atmosphäre. Die Mädchen in dem Schuppen jedenfalls freuten sich das auch mal ein Farang da war. Vielleicht waren Sie etwas enttäuscht wegen meines Alters und in Ihrer Phantasie wollten Sie sich einen etwas jüngeren Knaben vorstellen. Jedenfalls stand ich unter ständiger Beobachtung der Mädels und ein kleiner Fingerzeig meinerseits reichte zur Bedienung.
Lin war in seinem Element. Er strahlte über beide Backen. Allen Mädchen warf er kecke Blicke zu, scherzte ständig rum. Nach kurzer Zeit hatten wir so eine prima Stimmung, der Karaoke Automat tat sein übriges.
Mitten im Gespräch mit Lin über seine Abenteuer in Amerika stand auf einmal meine Frau vor uns. Zu Lin sagte Sie auf deutsch“ Hallo Schlawiner“, und setzte sich. Mir missfiel natürlich Ihre Sprache. Doch zu Lin hatte Sie schon öfters Arschloch gesagt und der glaubt immer das sei ein deutsches Kompliment. Dazu ist zu erwähnen das Lin´s Frau eine gute Freundin meiner Frau ist, die sich immer bei Ihr wegen Ihres Mannes ausweint. Na ja, die fröhliche Stimmung die wir drei alten Knaben hatten schien zu schwinden, da meine Frau die Mädchen verschreckte. Die auch sofort nach Ihrem Erscheinen den Karaoke- Automat leiser stellten. Also zog ich die Notbremse und sagte zu meiner Frau mit erster Miene: „du, ich habe dich nicht gerufen“. Sie sah mich erschreckt an, denn so kannte Sie mich nicht. Dann sagte Sie mit beleidigter Miene „O.k. dann musst Du mit Schlawiner nach Hause fahren“. Sie stand auf und ging. Jetzt auf einmal war die Stimmung erst recht hin. Ich hatte nun ein schlechtes Gewissen weil ich meine Frau vertrieben hatte und meine beiden Freunde unterhielten sich nur noch über meine Frau Mon, die Sie ja von klein auf kannten. Das gefiel mir wiederum auch nicht. Also ich bestellte noch einen Scheidebecher und die Rechnung. Diesmal durfte ich bezahlen, während ich im vorigen Lokal Lin´s Gast war. Lin hat einen alten verbeulten Toyota den er immer wenn er getrunken hat nur im Schritttempo fahren darf. Diese Auflage, besoffen nur im Schritttempo zu fahren hat er vom Polizeichef höchstpersönlich der ja auch Lin´s Freund ist. Trotzdem landete er öfters im Straßengraben oder versackte auf der schlammigen Piste zu seinem Haus. Also so zuckelten wir dann los und tatsächlich brauchten wir für die sieben Kilometer bis zu mir am Haus (auch direkt an der 118) eine gute halbe Stunde. Ich stieg aus, da hörte ich was plumpsen und sah meinen Nachbarn mit dem Gesicht im Dreck liegen. Ich hob Ihn auf, wischte sein Gesicht ab, das nun etwas zerschrammt war. Wir verabschiedeten uns überschwänglich von Lin der noch ein Stück zu fahren hatte. Dann brachte ich den Nachbarn zu seiner Frau und ging selber nach Hause. Nun meine Frau war noch einen Tag beleidigt. Dann legte sich das wieder. Aber Lin hat sich leider wieder mal Minuspunkte bei meiner Frau eingehandelt. Sie nennt Ihn nun „großen Schlawiner“.