Dienstag, 20. September 2011

Auch Geckos sterben

Im Norden Thailands liegt das kleine Provinznest Pa Ngio (Wiang Pa Pao – Chiangrai) in dem ich es mir seit meiner Pensionierung mit meiner Frau Mon gemütlich gemacht habe.
Die ersten 4 Jahre sind vergangen wie im Flug. Die Lehrjahre wie ich die Zeit nennen möchte haben mir gut getan. Geistig und körperlich. Diese neuen Erfahrungen revolutionierten auch meine Psyche so das ich heute recht unempfindlich gegenüber allerlei Alltagsdingen bin die mir früher ein Graus waren.
Als Technikfreak habe ich mich hier so eingerichtet das nie Langeweile aufkommen kann. Mit mehreren Computern und Wireless wurde das ganze Grundstück vernetzt, von der Gartenlaube (Sala-Thai) bis zum Haus der Schwiegermutter. Auch ein Home-theater gehört dazu.

Natürlich wurden in der Zeit auch viele andere Sinne beeinflusst. Auch der Geruchssinn hat sich den Gegebenheiten ziemlich gut angepasst, so das ich heute z.Bsp. die „Durien“ gut riechen und ertragen kann. Was soll denn auch an dieser „Stinkfrucht“ ekliges sein, es ist doch nur eine Pflanze. Bei den Tieren ist mir bis Dato noch wenig Stinkendes untergekommen außer den Häufchen von Lassie unserer Labrador-Hündin. Doch nun bin ich einem geheimnisvollen bisher undefinierbaren Geruch auf die Spur gekommen, der sporadisch immer wieder mal in der Nähe von elektrischem Gerät auftaucht. Zuerst jedoch ist zu bemerken dass das subtropische Klima hier im Norden Thailands schon außergewöhnliche Temperaturen zumindest in den Sommermonaten mit sich bringt. Auch die Luftfeuchtigkeit hat es in sich. (Klimatisiert haben wir nur Schlaf- und Gästezimmer).
Ich möchte es kurz machen, dieser undefinierbare Geruch kommt von unseren Hausgeckos. Die kleinen Echsen die als nachtaktive Insektenvernichter überall beliebt sind und gerne in der Nähe von Licht die Insekten aufschnappen, kriechen in die feinsten Ritzen und Löcher. Sie sind die Höhlenforscher per Exzellenz, können sich auch fast so flach machen, das man von der Seite gesehen nur noch als Strich sieht. Ihr Nachwuchs schlüpft aus kleinen 4-5mm dicken Eiern und ist dann sofort mit allem versehen was zum Leben eines Geckos gehört. Die Beute dieser Winzlinge sind für das menschliche Auge nicht mehr sichtbar, doch gibt es Sie, sind halt knapp größer als Bakterien. Diese winzige Beute des Gecko-nachwuchs befindet sich überall, vor allem da wo die Putz-wütige Hausfrau nicht hinkommt. Leider wachsen die kleinen Geckos bei gutem Futter schnell. Doch mit wachsender Körpergröße besteht die Gefahr dass der Futterplatz zum Gefängnis wird. Mehrere Geckos haben sich so in Computergehäusen und sogar im Laptop eingeschlossen und sind dann bei eingeschaltetem Gerät bedingt durch hohe Temperaturen elend zugrunde gegangen. Mit entsprechenden Nebenwirkungen.

Samstag, 13. August 2011

Unfall mit Yellow Cap


Ein besonders schwerer und tragischer Unfall ereignete sich Anfang August auf der Straße von Wiang Pa Pao nach Chiang Mai.
Ein Fahrer eines Yellow Cap hatte am Vorabend den Geburstag seiner Mutter mit reichlich Alkohol gefeiert. Am nächsten Morgen schickte er seinen ungeübten Sohn mit den Passagieren auf die Strecke.
Das Resultat: 8 Tote junge Menschen.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Mein erster Motorradunfall



Ich hatte im Sommer einen Motorradunfall mit negligablen Verletzungen. Aber durch eine länger anhaltende Bewusstlosigkeit, weil ich mit dem ungeschützten Kopf gegen Beton geknallt war, brachte mich meine Frau in ein Krankenhaus nach Chiangmai. Tatsächlich war ich fast so lange „weg...“ wie die Fahrt (85 km) dauerte. Just bei der Ankunft wachte ich noch träumerisch auf und bemerkte wie sich ein Schar weiß gekleideter Personen über mich hermachten. Dann verpasste man mir eine „Spritze“ …
In der Zeit meiner Bewusstlosigkeit allerdings wusste ich ziemlich genau was mit mir los ist. Ich wusste das ich überleben würde da ich eine gewisse geistige Kontrolle über den Körper hatte. Ich hörte in vielen Momenten Leute sprechen, auch meine Frau. Ich verspürte auch etwas Schmerzen.
Kurz gesagt ich wachte dann endgültig im Krankenzimmer auf, meine Frau saß neben mir.
Ich tastete mich ab, hatte Verbände an Kopf, den Armen und Füssen. Dann kam der Arzt der mir in fliesendem Englisch erklärte was mit mir los ist, was an mir gemacht wurde.
O.K. dachte ich und da ich irgendwie in guter Laune war bedankte ich mich fast überschwänglich in Thai mit einem besonders langgezogenen Kap Khun Khraaap.
Zugleich fragte ich wie lange ich im Krankenhaus bleiben muss. Er sah mich etwas verdutzt an und meinte das die Kopfverletzung und die genähten Wunden weiterer Beobachtung bedürfen. Sicher sei es vorteilhaft wenn ich mindestens eine Woche da bliebe.
Ich sagte sofort das das nicht in Frage kommt, ich bleibe nur heute. Meine Frau sah mich etwas verschreckt an, übersetzte da ich auf Deutsch gesprochen hatte und erklärte sich bereit mich eine Woche zu hause im Bett zu pflegen.
Man gab dann meiner Frau Medikamente und Verbandsmaterial und entließ uns nach einer Nacht.
Ich habe dann zuhaus tatsächlich 3 Tage im Bett verbracht bin dann wieder Rad gefahrenen und habe wie immer der Gartenarbeit gefrönt.

Nach einer Woche fuhren wir wieder ins Krankenhaus es wurden diverse Fäden gezogen ein neues Röntgenbild vom Kopf gemacht. Alles war O.K.
Die Nachuntersuchung war übrigens bereits mit der vorher beglichenen Rechnung von 10000 THB (ca.200 €) bezahlt.


Toni

Mittwoch, 22. Dezember 2010


In Berlin gab es mal ein Lied über China. Auf Thailand umgerubbelt geht das so :
In dem Land der Thailanesen war ick noch nie jewesen
Erstens is et so weit weit weit
Zweetens hab ich keene Zeit Zeit Zeit.
Nun habe ich Zeit. Reichlich Zeit. Als Ruheständler, Rentner.
Wie ist das so, wenn man von Berlin in ein kleines Nest wie Panigio bei Wiang Pa Pao Nordthailand quasi bis ans Ende der Welt umzieht ?


Natürlich kannte ich Nordthailand bereits von vielen Besuchen , seit 2003 bin ich mit meiner Mon verheiratet, einer graduierten Lehrerin für Thai und Sport die ich 2001 in Bangkok kennen lernte . Die Besuche waren allerdings immer zur Winterzeit. Dann kam der Hausbau in 2007, da blieb ich mal von März bis in den Juli.
Mitte Juli 2008 flog ich dann nach der Wohnungsübergabe in Berlin und einem Jahresvisum mit der LTU ohne Rückflugticket nach Bangkok. Da ich reichlich Gepäck und Fahrrad dabei hatte, holte mich meine Frau schon in Bangkok ab. Für die Fahrt von Bangkok bis Wiang Pa Pao braucht man ca. 9 Stunden mit kleinem Päuschen.
Es war die heiße feuchte Zeit, die ich zwar kannte, doch hatte ich den Eindruck das der Regen, der jeden Tag scheinbar überraschend aber ständig wiederkehrend viel stärker war als früher. Ein Glück das wenigstens das Schlafzimmer klimatisiert war. Bereits in den ersten Tagen begann ich dann den Krabbentierchen und Mücken den Kampf anzusagen. Neue vergitterte Schiebetüren wurden am Haus installiert, sowie alle Wasserstellen für die Moskitos unzugänglich gemacht. Irgendwie hat sich das gelohnt, denn den Rest des Sommers blieben wir zumindest im Haus unbelästigt.
Ich kann leider nicht scharf essen. Das ist für Thailand natürlich nicht so ideal. Aber da ich schon immer Hobbykoch war kochte ich nun mit den hier vorhandenen Lebensmitteln. Dabei stellte ich allerlei Experimente an die manchmal glückten, aber auch manchmal ungenießbar waren. Auch mit Brot-backen hatte ich so meine Probleme, da der Sauerteig an besonders heißen Tagen nicht nach meiner Uhr gelingen wollte. Also was soll`s, so fuhren wir halt öfters ins 100 km entfernte Chiang Mai zum Einkaufen. Chiang Mai hat neben den großen Läden wie z. Bsp. Carrefour oder Tesko auch mehrere kleinere Geschäfte mit Europäer kost im Angebot. Auch sonstige Einkaufsmöglichkeiten sind durchaus mit europäischen Großstätten vergleichbar.
Beim Essen, na ja wie halt das so ist, pendelt man sich ein. Reichliches Frühstück nach 7 Uhr. Mittags so mal ne Kleinigkeit aus dem Topf, gegen 18 Uhr dann noch mal reichlich Abendbrot mit heimischen Dingen.
Thai zu sprechen ist sicher vorteilhaft, habe auch einen gewissen Grundwortschatz gelernt, doch bis ich mal auch auf Thai philosophieren kann vergeht noch reichlich Lernzeit. Mit Englisch kommt man im Prinzip gut klar, zumindest bei den hiesigen Behörden und Geschäften wie 7 Eleven oder auf unserer Tankstelle. Zuhause spreche ich mit Frau und Nichte oft Thaidenglisch. Wer glaubt das wäre kompliziert der irrt sich, denn in dieser geschliffenen und sehr verständlichen Art der Kommunikation wird von der Gestik reichlich Gebrauch gemacht. Auch die Mimik die sonst eher dem Haushund und der Katze zugute kommt leistet gute Dienste.
Bei Nachbarn und Dorfbewohnern gibt es auch keine Probleme. Neulich war ich mit meinem Freund Lin einem 70 jährigen Chinesen und meinem Nachbarn einen noch älteren Herrn der mal früher hier Bürgermeister war, zum ersten mal einen zwitschern. Lin, der vor 15 Jahren seine Frau verlassen hat und in Amerika war, ist ein Gourmet und Herr. Nach nur 2 Jahren USA kam er ziemlich abgebrannt zurück. Seit dem lebt er von seiner 30 Jahre jüngeren Frau, die Ihm nebst Kost und Logies auch ein gewisses Taschengeld gibt, aus Angst er würde wieder abhauen.
Lin ist ein Freund aller hiesigen Autoritäten. In seinem Stammlokal in Meakachan, direkt an der Straße Nr.118 aßen wir gekochten Fisch mit Reis und Fischbällchen in milder Soße. Anschließend fuhren wir in einen besseren Karaoke -schuppen unmittelbar in der Nähe. Die dort Beschäftigten kannten Lin sehr gut , hatten sie doch gleich die letzten unbezahlten Rechnungen der vergangenen Besuche in der Hand. Für Lin kein Problem. Er herrschte die Bedienung mit einer lästigen Handbewegung und ekliger Miene an sie möge sich doch lieber um die Gäste bzw. um mich den Farang kümmern. Denn schließlich wollen wir uns amüsieren. Mein Nachbar hatte bereits vorher vergeblich mit mir zu kommunizieren versucht, doch mehr als lächeln und zu prosten mit „chokdee“ und „sabei sabei“ ist nicht gelungen. Dabei schenkte er immer nach und schluckte so selber mehrere Flaschen Chang Bier. Daß das Chang 6,3° Drehungen hat, hatte später seine Wirkung. Da ich aber Lallen von Thai noch nicht so gut unterscheiden kann, merkte ich natürlich nichts . Im Gegenteil ich freute mich über die gelöste Atmosphäre. Die Mädchen in dem Schuppen jedenfalls freuten sich das auch mal ein Farang da war. Vielleicht waren Sie etwas enttäuscht wegen meines Alters und in Ihrer Phantasie wollten Sie sich einen etwas jüngeren Knaben vorstellen. Jedenfalls stand ich unter ständiger Beobachtung der Mädels und ein kleiner Fingerzeig meinerseits reichte zur Bedienung.
Lin war in seinem Element. Er strahlte über beide Backen. Allen Mädchen warf er kecke Blicke zu, scherzte ständig rum. Nach kurzer Zeit hatten wir so eine prima Stimmung, der Karaoke Automat tat sein übriges.
Mitten im Gespräch mit Lin über seine Abenteuer in Amerika stand auf einmal meine Frau vor uns. Zu Lin sagte Sie auf deutsch“ Hallo Schlawiner“, und setzte sich. Mir missfiel natürlich Ihre Sprache. Doch zu Lin hatte Sie schon öfters Arschloch gesagt und der glaubt immer das sei ein deutsches Kompliment. Dazu ist zu erwähnen das Lin´s Frau eine gute Freundin meiner Frau ist, die sich immer bei Ihr wegen Ihres Mannes ausweint. Na ja, die fröhliche Stimmung die wir drei alten Knaben hatten schien zu schwinden, da meine Frau die Mädchen verschreckte. Die auch sofort nach Ihrem Erscheinen den Karaoke- Automat leiser stellten. Also zog ich die Notbremse und sagte zu meiner Frau mit erster Miene: „du, ich habe dich nicht gerufen“. Sie sah mich erschreckt an, denn so kannte Sie mich nicht. Dann sagte Sie mit beleidigter Miene „O.k. dann musst Du mit Schlawiner nach Hause fahren“. Sie stand auf und ging. Jetzt auf einmal war die Stimmung erst recht hin. Ich hatte nun ein schlechtes Gewissen weil ich meine Frau vertrieben hatte und meine beiden Freunde unterhielten sich nur noch über meine Frau Mon, die Sie ja von klein auf kannten. Das gefiel mir wiederum auch nicht. Also ich bestellte noch einen Scheidebecher und die Rechnung. Diesmal durfte ich bezahlen, während ich im vorigen Lokal Lin´s Gast war. Lin hat einen alten verbeulten Toyota den er immer wenn er getrunken hat nur im Schritttempo fahren darf. Diese Auflage, besoffen nur im Schritttempo zu fahren hat er vom Polizeichef höchstpersönlich der ja auch Lin´s Freund ist. Trotzdem landete er öfters im Straßengraben oder versackte auf der schlammigen Piste zu seinem Haus. Also so zuckelten wir dann los und tatsächlich brauchten wir für die sieben Kilometer bis zu mir am Haus (auch direkt an der 118) eine gute halbe Stunde. Ich stieg aus, da hörte ich was plumpsen und sah meinen Nachbarn mit dem Gesicht im Dreck liegen. Ich hob Ihn auf, wischte sein Gesicht ab, das nun etwas zerschrammt war. Wir verabschiedeten uns überschwänglich von Lin der noch ein Stück zu fahren hatte. Dann brachte ich den Nachbarn zu seiner Frau und ging selber nach Hause. Nun meine Frau war noch einen Tag beleidigt. Dann legte sich das wieder. Aber Lin hat sich leider wieder mal Minuspunkte bei meiner Frau eingehandelt. Sie nennt Ihn nun „großen Schlawiner“.